| Neue Wege für Gewerkschaften - Organizing: Ein Zukunftsmodell |
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| Mittwoch, den 03. März 2010 um 06:17 Uhr | |
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Franz Kersjes auf Welt der Arbeit: Wie gelingt es Gewerkschaften in den USA, in Großbritannien und Australien trotz schwierigster Rahmenbedingungen erfolgreich in bisher „gewerkschaftsfreien" Betrieben abhängig Beschäftigte als Mitglieder zu werben? Eine Antwort ist Organizing - ein Zukunftsmodell auch für deutsche Gewerkschaften. Organizing ist aber mehr als bloße Mitgliederwerbung. Als kreative Arbeitsmethode zielt es vor allem darauf ab, in Unternehmen, Institutionen und öffentlichen Verwaltungen Fuß zu fassen, dort Einfluss zu gewinnen sowie Tarifverträge abzuschließen. Dazu reicht es nicht abzuwarten, dass sich Beschäftigte von allein an die Gewerkschaft wenden. Es kommt darauf an, zielgerichtet Kontakte zur Belegschaft aufzubauen und Vertrauen zu gewinnen. Organizing meint eine ganze Palette gewerkschaftsinterner, betriebsnaher und öffentlicher Aktivitäten. Ausgangspunkt sind inakzeptable und ungerechte Verhältnisse am Arbeitsplatz. Organizing bedeutet, offensiv auf Veränderungen im Arbeitsumfeld und auf Verbesserungen der sozialen Verhältnisse für die Beschäftigten hinzuwirken. In bislang unorganisierten Betrieben heißen die Ziele:
Der Kern von Organizing ist ein Leitbild von „beteiligungsorientierter Gewerkschaftsarbeit“. Die Beschäftigten sollen sich selbst als Gewerkschaft verstehen. Ihre Konkurrenzsituation soll aufgehoben werden. Organizing konzentriert sich auf die Beschäftigten im Betrieb, auf ihre Arbeitsbedingungenund auf die von ihnen formulierten Anliegen. Dem traditionellen Stellvertretermodell der Gewerkschaften wird ein betriebliches Selbstvertretungsmodell entgegengesetzt. Aber damit beginnen die Schwierigkeiten im gewerkschaftlichen Apparat. Strukturen und Strategien müssen an die Bedürfnisse der Belegschaften stärker angepasst werden. Die Gewerkschaften müssen mehr personelle und finanzielle Mittel auf der betrieblichen Ebene einsetzen. Die Führung der Gewerkschaft muss Organizing wollen! Die Veränderungen müssen von den Entscheidungsträgern mit allen Konsequenzen gewollt sein. Ziel ist die Erneuerung von Organisationsmacht. Für die Einführung von Organizing darf man sich nicht auf freiwillige Initiativen in Betrieben, Ortsvereinen und Bezirken beschränken. Notwendig sind auch hauptamtliche Kräfte, die für ihre (neuen) Aufgaben entsprechend qualifiziert wurden. Mit Kampagnenkompetenzen muss Organizing in Arbeitszusammenhänge vor Ort eingebunden werden. Um Organizing einführen zu können, müssen erste Kampagnen initiiert werden, die Prozesse des Experimentierens, Lernens und Spezialisierung auf Organizing sowie erforderliche Anpassungen im Sinne von „Praxistauglichkeit“ des Modells ermöglichen. Eine Ausbildung von Organizern ist dringend erforderlich. Das wäre eine wichtige Aufgabe für den Deutschen Gewerkschaftsbund. Doch bisher plant lediglich ver.di neben einigen Pilotprojekten unter anderem eine Bildungsstätte zu einer Ausbildungsstätte für Organizing umzuwandeln. Das Institut für Medien, Kunst und Industrie in Lage-Hörste wäre sicherlich dazu am ehesten geeignet. Denn hier liegen bereits viele Erfahrungen vor. Auch die IG Metall startet mittlerweile Organizing-Projekte. Die Skepsis gegenüber dem Organizing-Konzept ist in den deutschen Gewerkschaften groß. Viele Funktionäre zweifeln daran, dass der aus den USA und Großbritannien stammende Ansatz des Organizing-Modells auf deutsche Wesentliche Erfahrungen mit Organizing/Kampagnenarbeit liegen auch bereits im Landesbezirk Nordrhein-Westfalen der ver.di vor, insbesondere in den Fachbereiche Gemeinden, Postdienste, Verkehr, Handel und Besondere Dienstleistungen. Der Vorstand des Landesbezirks will mit einem umfangreichen Qualifizierungsangebot im Bereich „Organizing- und Kampagnenarbeit“ weitere wirkungsvolle betriebspolitische Impulse setzen. „Und wir wollen diese Qualifikation als Kernkompetenz der haupt und ehrenamtlichen Führungskräfte, der wichtigen betrieblichen MultiplikatorInnen und der GewerkschaftssekretärInnen verankern“, heißt es in einem Vorstandsbeschluss.
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