| Nervenzehrendes Arbeiten - Wie psychische Gefährdungen erkannt und eingedämmt werden können |
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| Mittwoch, den 20. Januar 2010 um 14:48 Uhr | |||
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(hbf) Sie schlagen Alarm: Der Verband der deutschen Betriebs- und Werksärzte, mehrere Krankenkassen, die deutsche Gesellschaft für Supervision, das Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Institut (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung. Es geht um den Dauerdruck am Arbeitsplatz, dem immer mehr Beschäftigte unterliegen, der die Gesundheit gefährdet und hohe Kosten verursacht. Laut AOK sind seit 1995 die Fehlzeiten wegen psychischer Beeinträchtigungen um 80 Prozent gestiegen. Die DAK hat errechnet, dass mehr als zehn Prozent der Krankgeschriebenen unter Burnout-Syndromen leiden und der Anteil der Erwerbstätigen steigt, die sich mit leistungssteigernden Mitteln aufputschen. Die WSI-Betriebsrätebefragung 2009 im Rahmen des Projekts "Pargema" (Partizipatives Gesundheitsmanagement) ergab, dass in vier von fünf Unternehmen die Beschäftigten ständig unter hohem Zeit- und Leistungsdruck arbeiten (www.boeckler.de/320_94863.html). Besonders stressfördernd sind die Branchen Verkehr, Nachrichten, Telekommunikation, Banken und Versicherungen. Zu wenig Personal, widersprüchliche Zielvorgaben, die Rendite als Leistungsmaßstab, die Zwickmühle aus Kundenorientierung und Unternehmenswünschen - das macht krank. Unter der Webadresse http://verkaufsdruckneindanke.verdi.de hat ver.di für Bank- und Sparkassen-Angestellte aus Nordrhein-Westfalen ein Ventil geschaffen, um in der "Vertriebshölle" nicht zu ersticken. Es geht auch anders, zeigt die Sparda-Bank in Hamburg. Dort haben Betriebsrat, Geschäftsleitung und ver.di ein "ganzheitliches betriebliches Gesundheitsmanagement" für die rund 450 Beschäftigten vereinbart. Eine Analyse ergab, dass die Mitarbeiter/innen die Arbeitsbedingungen und den sozialen Rückhalt in der Firma als gut und hilfreich bei der Bewältigung psychischer Belastungen - wie Zeit- und Leistungsdruck - einschätzen. Nun wird noch mehr getan, berichtet Betriebsratsvorsitzender Michael Cords. Beim Führungskräftecoaching etwa lernen Vorgesetzte, "kritisch-konstruktiv, wertschätzend und zielführend" mit den Untergebenen umzugehen. Der Vorstand hat - trotz anstehender Umorganisation - Jobsicherheit zugesagt. Gerade wird über eine zeitlich flexible Kinderbetreuung verhandelt. Ungewöhnliche Signale für die Bankenbranche, die Cords so erklärt: "Die Geschäftsleitung handelt nach dem Motto: Wenn es meinen Mitarbeitern gut geht, geht es auch der Firma gut." Bisher äußerst erfolgreich. Zum Abbau psychischer Belastun- gen soll auch der Tarifvertrag zur betrieblichen Gesundheitsförderung im Sozial- und Erziehungsdienst beitragen. Das im Sommer 2009 erstreikte Regelwerk muss nun in die betriebliche Praxis umgesetzt werden. In Wedel bei Hamburg ist man schon weiter: 2008 wurden in der Schulkinderbetreuung, ein Jahr später in der Musikschule die Gefährdung durch psychische Belastungsfaktoren beurteilt, und jeweils im Anschluss wurden erste Gegenmaßnahmen beschlossen. Mal helfen klare Absprachen zur Pausenvertretung, mal die situationsgerechte Programmierung der Telefonanlage, um etwas Ruhe in den trubeligen Berufsalltag mit Kindern zu bringen, berichtet Personalratsvorsitzender Jörg Raabe. "Wichtig für die Beschäftigten ist, dass sich gleich etwas tut - und dass sie beteiligt werden", sagt er. Dann lässt sich die Zeit, bis beispielsweise professionelle Lärmschutzvorrichtungen eingebaut sind, auch durch Improvisation überbrücken. Quelle: ver.di News
Das Tabu brechen Wie verändert die Krise die psychischen Belastungen der Beschäftigten? Die Angst vor dem Jobverlust löst massivsten Druck aus - weil man selbst so wenig ändern kann an der Lage. Dazu kommt das Dilemma, dass der Gesundheitsschutz gerade dann für die Betriebsräte keine Priorität hat, weil sie um Beschäftigungssicherung kämpfen. Wie tabubelastet ist das Thema "psychischer Druck am Arbeitsplatz"? Überraschend stark. Wichtig ist, dass Betriebsräte das Thema auf kleine, behandelbare Schritte herunterbrechen können. Und das heißt: Ganz konkret benennen, wie Profit- oder Erfolgsvorgaben, wie mieses Betriebsklima und Führungsverhalten die psychischen Belastungen verschärfen. Wie kann ver.di Betriebs- und Personalräte dabei unterstützen? Zum einen muss die Gesellschaft für das Thema sensibilisiert werden. Da können die Gewerkschaften wichtige Anstöße geben. Außerdem brauchen interessierte Betriebsräte Unterstützung von fachkundigen Beratern, die auf Anforderung in den Betrieb kommen. |
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