| Warum es sich lohnen könnte, Bildung als Infrastruktur zu denken |
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| Dienstag, den 19. Januar 2010 um 07:00 Uhr | |
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Oliver Brüchert auf http://www.widersprueche-zeitschrift.de: Die bildungspolitischen Auseinandersetzungen der vergangenen 15 bis 25 Jahre sind geprägt von der Gegenüberstellung zweier Lager: Den rückwärtsgewandten Bewahrern des humboldtschen Bildungsideals und den progressiven Modernisierern, die "unser" Bildungssystem fit machen für den neoliberal globalisierten Wettbewerb der Wissensgesellschaften. So jedenfalls lesen sich die meisten Zeitungsbeiträge zum Thema und so verorten sich auch viele der Akteure, die diese öffentliche Debatte prägen. Selbst die von Studentenvertretern und Gewerkschaftern noch vertretene Forderung einer demokratischen Öffnung der Hochschulen ("Bildung für alle und zwar umsonst") gerät angesichts der grassierenden Modernisierungseuphorie schon in den Verdacht eines konservativen Reflexes. Das Experiment Gesamtschule gilt als gescheitert und spätestens seit Bayern bei PISA vorne liegt, soll das Gymnasium wieder die einzig zielführende Schulform sein. Über jene, die den Sprung auf das Gymnasium nicht schaffen wird bildungspolitisch kaum, allenfalls in der Terminologie von Schulversagen, Lernstörungen und Gewaltprävention nachgedacht. Wenn es um "Exzellenz" und "Leistungseliten" geht, kann man die "Massen" eben nur noch möglichst kostengünstig abfertigen. Die Gegenüberstellung Modernisierer gegen Bewahrer ist natürlich in sich bereits ein ideologischer Trick der selbsternannten Modernisierer. Nur indem es gelingt, das etablierte Bildungssystem als im Kern verrottet und seine Verteidiger als weltfremde Blockierer darzustellen, kann der Abbau staatlicher Infrastruktur und die von den Finanzministern diktierte Sparpolitik überhaupt als sachbezogenes Fortschrittsprogramm dargestellt werden. Sieht man genauer hin, erweisen sich die Kernpunkte der sogenannten Reformen selbst als uneingelöste Versprechungen (bzw. Drohungen): Statt Entbürokratisierung erleben die Hochschulen einen beispiellosen Bürokratisierungsschub zu Lasten des "Kerngeschäfts" (Forschung und Lehre), für vernünftige Ganztagsschulen mangelt es allerorten schon bei den grundlegenden Rahmenbedingungen (Räume, Küchen, Betreuungspersonal), die amerikanischen Elitehochschulen lassen sich nicht einfach kopieren, private Hochschulen wie die International University in Bremen kommen selbst mit massiven staatlichen Zuschüssen nicht in die Gewinnzone und Schul- wie Studienzeitverkürzungen konnten zwar erfolgreich durchgesetzt werden, gewährleisten aber weder eine besondere Qualität der Abschlüsse noch den versprochenen individuellen Konkurrenzvorteil. ........... |

