| Parteispenden - Gekaufte Politik |
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| Mittwoch, den 27. Januar 2010 um 05:01 Uhr | |
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Franz Kersjes auf Welt der Arbeit: Unternehmen spenden Geld an Parteien. Autokonzerne, Banken, Versicherungen, Unternehmerverbände, Lobbyisten aus vielen Branchen – sie alle geben den politischen Parteien Geld. Die CDU kassiert am meisten, gefolgt von der FDP und der CSU. Die Linkspartei hat bislang als einzige Partei im Bundestag keine Großspende erhalten. Zuwendungen über 50.000 Euro müssen unverzüglich dem Bundestagspräsidenten angezeigt werden. Spenden ab 10.000 Euro werden in den Rechenschaftsberichten der Parteien veröffentlich. Diese liegen jedoch erst gut anderthalb Jahre nach Ablauf des jeweiligen Jahres vor.
Warum spenden vor allem Konzerne und reiche Leute vornehmlich den konservativen Parteien viel Geld? „Politische Kontaktpflege“ nennt sich das. Von gezielter Einflussnahme will aber keiner sprechen. Das deutsche Parteiengesetz verbietet ausdrücklich Geldzuwendungen, „die erkennbar in Erwartung oder als Gegenleistung eines bestimmten wirtschaftlichen politischen Vorteils gewährt werden“. Diesen Zusammenhang konkret nachzuweisen, ist allerdings auch kaum möglich. Trotzdem gibt es Klientelpolitik, wo das Ergebnis politischer Entscheidungen den Erwartungen und Interessen bestimmter gesellschaftlicher Gruppen entspricht. Ein aktueller Fall Mit Geldspenden werden Vorteile erkauft Die FDP, eine Ansammlung von Interessenvertretern des Kapitals, hat sich den Staat wieder einmal zur Beute gemacht. Zusammen mit der CSU hat sie sich im Koalitionsvertrag der schwarz-gelben Regierung vehement für die Interessen des Hotelgewerbes eingesetzt. Der CSU-Vorsitzende Horst Seehofer soll sogar damit gedroht haben, ohne die Subvention für die Hoteliers den Koalitionsvertrag nicht zu unterschreiben. Mit dem „Wachstumsbeschleunigungsgesetz“ wurde die Mehrwertsteuer bei Hotelübernachtungen von 19 auf 7 Prozent gesenkt. Die Erwartungen der Branche wurden erfüllt! Mehrere Geldspenden haben dabei wohl nachgeholfen. So hat die Substantia AG in der Zeit vom 15. Oktober 2008 bis 13. Oktober 2009 der FDP in vier Spenden insgesamt 1,1 Millionen Euro zukommen lassen. Dieser Konzern gehört zum Imperium von August Baron von Finck, der mit
Politische Vollstrecker der Interessen des Kapitals Klientelpolitik ist weit verbreitet. Es ist wohl eine unausgesprochene Selbstverständlichkeit, dass sich Parteien für Geldspenden erkenntlich zeigen. Aber nicht nur politische Parteien. Auch Politiker machen sich sehr oft zu Vollstreckern wirtschaftlicher Interessen. Der Prozess gegen den Lobbyisten Karl-Heinz Schreiber vor dem Augsburger Landgericht macht das in diesen Wochen deutlich. Es sei nicht nachvollziehbar, dass alle glauben, dass „ich fast im Alleingang diese riesigen Geschäfte getätigt habe“, ließ Schreiber mitteilen. „Wo man hinschaut, waren Politiker involviert. Es hat keinen Auftrag ohne Gegenleistung gegeben“, teilte Schreiber über seinen Anwalt der Öffentlichkeit mit. Auch die Annahme, dass der frühere bayerische Ministerpräsident und CSU-Vorsitzende Franz Josef Strauß nichts mit den Geschäften zu tun gehabt habe, sei „großer Unsinn“. Schreiber hat unter anderem im Jahr 1991 mehrere Beträge in Höhe von insgesamt rund 1,4 Millionen Mark an die CSU gezahlt. Er ließ zudem erklären, von den 200 Millionen Mark Schmiergeld, die 1991 bei der Lieferung von 26 Fuchs-Spürpanzern an Saudi-Arabien geflossen seien, habe er etwa 24 Millionen auf eigene Konten für „andere Personen“ erhalten. Ein „beachtlicher Teil“ des Geldes sei an die CSU geflossen. 1999 löste Schreiber den Parteispendenskandal bei der CDU aus. Der damalige CDU-Vorsitzende Wolfgang Schäuble musste zurücktreten, weil er 1994 für die CDU 100.000 Mark von Schreiber angenommen hatte. Der Mann ist heute Bundesfinanzminister. Franz Kersjes, Januar 2010 Quelle: Welt der Arbeit
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