aus ver.di NEWS:
Ein Dokument der Zärtlichkeit
Deutscher Kinostart für Renato Martins‘ „A Letter to the Future“
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„A LETTER TO THE FUTURE“, Eine Familie, vier Generationen, 50 Jahre Revolution in Kuba. Regie: Renato Martins, Filmlänge: 91 Minuten, gefördert durch Cinema do Brasil, Brasiliens Außenministerium und die MFG Filmförderung Baden-Württemberg
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Solidarität sei die Zärtlichkeit der Völker, hat der Revolutionär Ernesto "Che" Guevara einmal festgestellt. Wenn es derzeit in vielen Gegenden dieser Welt daran eher mangelt, so entwickelt sie sich südlich des Rio Grande, der Nordamerika von Lateinamerika trennt, umso intensiver. Ein zärtliches Dokument von Solidarität und Sympathie ist der Film des brasilianischen Regisseurs Renato Martins mit dem - fremd wirkenden, weil englischsprachigen - Titel "A Letter to the Future" (Ein Brief an die Zukunft). Sein deutscher Kinostart (in der Originalsprache mit deutschen Untertiteln) ist für den 29. Dezember 2011 geplant, würde man sagen, wenn es nicht ein wenig übertrieben klänge. Denn es handelt sich nur um ein Dortmunder und drei Berliner Lichtspielhäuser, die ihn geordert haben.
Wer sich aber jenseits reaktionärer, neoliberaler oder sektiererischer Vorurteile und ohne mancherlei Blauäuigkeit von links dafür interessiert, wie die Menschen in Kuba nach 50 Jahren Revolution wirklich leben, lachen, trauern, weinen und träumen, der kann mit diesem Film realistische, weil authentische Eindrücke sammeln. Renato Martins zeigt in seiner die Jahre 2003 bis 2011 umspannenden Dokumentation, wie unterschiedlich vier Generationen der Familie Torres und andere Protagonisten in ihren jeweiligen Lebenssituationen das kubanische Gesellschaftssystem erfahren, wahrnehmen und einordnen. Die einen sind glücklich und zufrieden, glauben fest an den Sozialismus, manche stellen kritische Fragen und sind geteilter Ansicht über die Zukunftsaussichten. Während die einen das Land verlassen, bauen die anderen auf positive Veränderungen. Wieder andere haben die Hoffnung ganz verloren.
Miriam Acelia Torres Santos ist die Hauptfigur des Films. Die Chemielehrerin im Ruhestand interpretiert 50 Jahre Revolution in Kuba auf ihre eigene Weise. Ihr Vater Sacramento "Pipo" Torres Garcia, geboren 1914, Revolutionär der ersten Stunde, lebt bis zu seinem Tod 2006 bei Tochter Miriam und hat eine besonders enge Bindung zu Diego Santana Caunedo, seinem 1997 geborenen Urenkelkind und Sohn von Yulme, Miriams Tochter, einer Chemikerin beim kubanischen Patentamt. Und dann ist da noch Miriams Sohn Julito, der in Miami (USA) lebt. Sie besucht ihn dort, kehrt zurück und sagt: "Ich könnte dort nicht leben. Meine Heimat ist Kuba."
Renato Martins‘ ruhiger, zurückhaltender Film zeigt die Melancholie der Kubaner/innen und gleichzeitig ihre Gelassenheit. Der Brasilianer betrachtet das sozialistische Kuba von Süden her entspannter, als es Leute tun, die von Norden hinschauen. Viel Sympathie schwingt da mit - und auch ein bisschen Stolz darauf, wie die Menschen auf der kleinen Insel der Blockade und den Anfeindungen aus Richtung Norden jetzt schon länger als ein halbes Jahrhundert trotzen.