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Buchtipp: "Blüten aus dem KZ" - Florian Osuch hat eine Fülle von neuen Informationen zu dem historisch einmaligen Fall PDF Drucken
Dienstag, den 16. März 2010 um 05:45 Uhr

Jenny Mansch: Mit Blüten im Wert von 134 Millionen Pfund Sterling, der damals international gängigen Wirtschaftswährung, wollten die Nazis die Weltwirtschaft zum Zusammenbruch bringen und die Alliierten in die Knie zwingen. Weil sie in den eigenen Reihen nicht die Experten fanden, die man für solch eine Aktion benötigte, rekrutierten die Nazis 142 jüdische Facharbeiter aus dem grafischen Gewerbe in den Konzentrationslagern. Es gibt bereits verschiedene Bücher und Abhandlungen zu dem Thema und sogar den prämierten Hollywoodfilm "Die Fälscher". Der Autor Florian Osuch hat dem Thema trotzdem neue und interessante Aspekte abgewonnen.

Der Stipendiat der Hans-Böckler-Stiftung diplomierte mit dieser Veröffentlichung, die für das Buchformat überarbeitet und lesbarer gemacht wurde, als Ingenieur der Drucktechnik. Deshalb legt er ein besonderes Augenmerk auf die technischen Details der Fälscherwerkstatt. Er erläutert die Ausrüstung, die Maschinen, geht auf die Druckformbearbeitung ein, berichtet aus der "Altmacherei", dem Lager, der Kontrollabteilung und der Sortiererei. Er dröselt sorgfältig die komplexe Logistik auf, die für das Unternehmen vonnöten war. Die technisch hochgerüstete Fälscherwerkstatt wurde in das KZ Sachsenhausen integriert, bei höchster Abschottung der Gefangenen und Geheimhaltung der Produktion.

Namensgeber dieser Falschgeldaktion war der SS-Sturmbannführer Bernhard Krüger. Juristisch ist er nie für das begangene Unrecht an den jüdischen Fälscherhäftlingen zur Verantwortung gezogen worden und lebte bis 1989 unbehelligt sein Leben.

Dem Autor Florian Osuch ist es gelungen, Interviews mit zwei überlebenden "Fälschern" zu führen. Dadurch bietet sein Buch erstmals ausführliche Details über die vielen Sabotage-Akte, mit denen die Häftlinge den Produktionsprozess verzögern konnten. Bei aller Vorsicht natürlich, aber dennoch entwickelten sie ihre Tricks. Unter großen Gefahren gelang es zum Beispiel dem Kommunisten und Buchbinder Kurt Lewinski, zwei Blüten aus dem streng geheimen Block 19 zu schmuggeln, damit die anderen KZ-Insassen das Geheimnis erfahren und weitertragen konnten. Auch sonst verschwanden Zubehörteile, durch Tricks konnten auch die Retuschierarbeiten ordentlich verzögert werden, es geschahen Pannen, es wurde heimlich dokumentiert - der hohen Fachkenntnis der jüdischen Drucker war nur schwer beizukommen.

Es ist eine Fülle an neuen Informationen zu diesem historisch einmaligen Fall, den Osuch hier sachkundig und mit viel Gespür für politische und gesellschaftliche Zusammenhänge noch einmal aufrollt. Er hat für seine Arbeit die Bestnote erhalten.

 

Quelle: ver-di News, Infoservice für Aktive

 
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