| TIPP ● Ursachen statt Folgen angehen - Ein Plädoyer für eine gerechtere Gesellschaft |
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| Freitag, den 09. Juli 2010 um 05:37 Uhr | |
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Heike Langenberg/ver.di NEWS: Mit ihrem mehr als 300seitigen Plädoyer setzen die britischen Wissenschaftler Richard Wilkinson und Kate Pickett für gerechte Gesellschaften ein. Ihr Schlüssel dazu: Gleichheit. In neun der insgesamt 16 Kapitel legen sie dar, wie sich Ungleichheit in verschiedenen Schlüsselbereichen negativ auf Gesellschaften auswirkt. Dabei argumentieren sie mit statistischen Daten einzelner Länder oder Regionen. Zwar kommt Deutschland dabei meist allenfalls in Schaubildern vor, die Theorie ist dennoch übertragbar. Ungleichheit führt zu Unzufriedenheit, die Energie der Menschen geht in ihre persönlichen Probleme, die Gesellschaften verschwenden ihre Ressourcen für die Beseitigung der Folgen von Problemen, statt deren Ursachen anzugehen. Beispiel Bildung: Anstatt von Kindesbeinen an für gleiche Ausgangsvoraussetzungen zu sorgen, zementiert die Gesellschaft häufig die Unterschiede - mit der Folge, dass Aufstiegsmöglichkeiten eher an der Herkunft als am Können liegen. Wilkinson und Pickett zeigen auf, dass Krankheiten wie Fettleibigkeit und Herzprobleme mittlerweile deutlich häufiger in Gesellschaften mit starkem Gefälle in den unteren Schichten auftreten, weil der Stress, den Alltag bewältigen zu können, dort größer ist. Das Vertrauen in die Gesellschaft fehlt im sozialen Gefälle. Wer unten steht, sieht für sich keine Chance, wer oben ist, grenzt sich nach unten hin ab. Die Verbesserung des materiellen Lebensstandards, die über Jahrtausende hinweg ein geeignetes Mittel zur Steigerung der Lebensqualität gewesen ist, hat nach Einschätzung der Autoren als Mittel ausgedient, nicht nur weil die Umwelt dem Wirtschaftswachstum Grenzen setzt. Stattdessen komme es jetzt erst einmal darauf an, nachhaltig die Chancen innerhalb von Gesellschaften anzugleichen. Dabei argumentieren sie bewusst für einzelne Länder. Ihrer Meinung nach gehen gerechte Gesellschaften bewusster mit ihren Nachbarn um, so dass sich darüber das internationale Gefälle regulieren wird. Nachhaltigkeit und fairer Handel werden dadurch wichtiger. Die beiden Wissenschaftler zeigen Fehler im sozialen Gefälle auf. Sie fordern die Staaten zur Umverteilung auf, nennen als Beispiel skandinavische Länder. Ethnische Diskriminierungen gehören für sie ebenso abgeschafft wie soziale. Dabei präsentieren Wilkinson und Pickett weder einen bestimmten Weg noch ein politisches Programm. Sie sprechen sich unter anderem für mehr Beteiligung von Arbeitnehmer/innen an den Unternehmen aus, unter vernünftigen Rahmenbedingungen und der Maxime der Nachhaltigkeit. Es ist ein lesenwertes Buch, das viele Denkanstöße gibt. Denn die mit wachsender Ungleichheit verbundenen Konflikte kann sich kein Land auf Dauer leisten.
„Gleichheit ist Glück“, Richard Wilkinson, Kate Pickett: Warum gerechte Gesellschaften für alle besser sind, Tolkemitt-Verlag bei Zweitausendeins, 333 Seiten, 19,90 Euro, ISBN 978-3942048095
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